Menü öffnen

FAIRNETZT

Das 360° Journal der FAIRNET #Messen #Events #Kongresse

Bücherleben

Rumänien ruft! Diesem Ruf folgend flanieren im März 2018 Tausende auf der Leipziger Buchmesse durch die rumänische Literaturwelt, treffen auf die Autoren, lauschen und entdecken. Um die Messe herum verwandelt sich Leipzig in eine bunte Bücherwelt. Das Lesefestival „Leipzig liest“ fordert von Besuchern mit seiner schieren Masse an Veranstaltungen perfekte Planung. Prall gefüllte Messehallen erfordern Ausdauer und Aufmerksamkeit auf über 100.000 Quadratmetern. Mehr als 2.400 Aussteller ringen hier um die Aufmerksamkeit des Publikums. Um Foren und Leseinseln scharen sich Menschen und lassen sich Literaturgenuss von den Autoren persönlich servieren. Mit drei Empfehlungen verkürzt Buchmesse-Direktor Oliver Zille uns das Warten auf den Bücherfrühling.

Ein gutes Buch!

Ich bin Fan der russischen Literatur, doch auf Artjom Wessjoly bin ich erst neulich gestoßen. Er kam 1938 in den Stalinschen Säuberungen ums Leben und wurde aus dem Gedächtnis ausradiert, als er gerade begann, einer DER Autoren in Russland zu werden. Sein Buch „Blut und Feuer“ (Aufbau Verlag) ist eine Geschichte von Russland im Ersten Weltkrieg hinweg über die Revolution. Wessjoly beschreibt eindrücklich, wie die Leute in den Mahlstrom der Geschichte geraten und versuchen darin zu bestehen. Wie sie die Fronten wechseln, umgebracht werden, durch Zufall überleben. Wenn sich jemand für die Geschichte dieser Zeit interessiert, ist das das Ehrlichste und sprachlich Packendste, was ich dazu bisher gelesen habe. Eine richtige Entdeckung.

Ein guter Autor!

1978 in Bosnien geboren, kam Saša Stanišić mit 13 Jahren nach Deutschland und gehört heute zur jungen deutschen Autorenszene.
Seine Sprachbilder und wie er mit deutscher Sprache umgeht – das ist großartig und außergewöhnlich. Er schreibt faszinierende Texte und erzählt wirklich gute Geschichten. 2014 bekam er bei uns deshalb auch den Preis der Leipziger Buchmesse für seinen Roman „Vor dem Fest“ (Luchterhand Literaturverlag). Die Geschichte spielt in einem Brandenburgischen Dorf, erzählt von seinen Einwohnern und Gästen. Man könnte denken, es ist ein langweiliger Plot. Aber wie Stanisic die Geschichte erzählt, das ist überaus spannend, überraschend und sehr originell. Wenn man sich für Literatur interessiert, muss man diesen jungen Mann im Blick behalten.

Auch für FAIRNET gehört die Leipziger Buchmesse zu den Höhepunkten im Frühjahr. Wenn Preise verliehen und Tausende Bücher ausgestellt werden, gibt es viel zu tun.

Eine gute Veranstaltung!

Wer literarisch das Beste und die Stars sucht, sollte zum Preis der Leipziger Buchmesse (15. März 2018, 16 Uhr) in die Glashalle kommen. Da gibt es die gestandenen Autoren und das Neueste des Frühjahrs aus Belletristik, Sachbuch und Übersetzung. Wer eher nach Performance sucht, für den ist die Lange Leipziger Lesenacht in der Moritzbastei ein Muss (15. März abends). Hier finden sich die junge deutschsprachige Literatur, viel Experimentierfreude und mitunter schräge Gespräche. Und wer es wild mag, geht am Samstagabend (17. März) ins UT Connewitz zur Balkan-Nacht. Die hat in diesem Jahr wie die Messe den Schwerpunkt Rumänien, Autoren lesen und unterhalten sich, eine Band spielt – das ist wirklich eine der abgefahrensten Veranstaltungen der Messe und auch nach Mitternacht ist es hier immer voll.

P.S.

Und was ist das ganz persönliche Highlight von Buchmesse-Direktor Oliver Zille? Der Augenblick, wenn er die Gäste beim Preis der Leipziger Buchmesse begrüßt und für kurze Zeit die dann in der Glashalle liegende Spannung noch steigern kann. Dann zaubert der Gastgeber dem Publikum mit Vergnügen ein Lächeln ins Gesicht, noch bevor die Preisträger verkündet und beglückwünscht werden. Übrigens steht für ihn auch am Beginn eines jeden Arbeitstages die persönliche Begrüßung seines Teams, ehe es ans Tagwerk für die Buchmesse geht. Deren Erfolg dürfte auch darauf beruhen, dass ihr Direktor neugierig geblieben ist und gern auch mal gegen den Strom schwimmt. Es überrascht nicht, dass er jedem jungen Menschen empfiehlt, so früh wie möglich mit dem Lesen zu beginnen, um seine Sprache und sein gesamtes Denken zu bilden. Und nach den Dingen gefragt, ohne die er nicht sein möchte, stehen gleich neben den Büchern seine Familie, jede Form von Kunst, schöne Dinge und – nicht zu vergessen – guter Käse und guter Wein.

Bildnachweise
Jens-Ulrich Koch, Katja Sämann